Gute Führung – und gutes Interim-Management – haben ein Ablaufdatum!

„Ulvi, darum musst du dich nicht kümmern.“
Es gibt einen Satz, den viele Führungskräfte fürchten.
Und den ich liebe.
„Ulvi, darum musst du dich nicht kümmern. Wir haben das im Griff. Verlass dich auf uns. Lass uns das machen!“
Nicht (mehr) gebraucht zu werden ist das grösste Kompliment für und an eine Führungskraft!
Für manche klingt das nach Bedeutungsverlust.
Für mich ist es eines der größten Komplimente, die ein Team machen kann.
Ich arbeite seit vielen Jahren als Manager, Unternehmer und Interim-Manager.
Ich führe eigene Teams aus sehr erfahrenen Freelancern und festangestellten Kolleginnen und Kollegen – und ich gehe in Organisationen, wenn sie mich brauchen.
Und genau da beginnt ein entscheidender Punkt, über den erstaunlich selten ehrlich gesprochen wird.
Unbequeme These #1
Gute Führung – und gutes Interim-Management – haben ein Ablaufdatum!
- Als Interim-Manager komme ich nicht, um zu bleiben.
- Ich komme, um zu klären.
- Zu stabilisieren.
- Strukturen zu bauen.
- Menschen zu befähigen.
Und dann wieder zu gehen.
Die ideale Situation am Ende eines Mandats ist nicht die Verlängerung.
- Nicht der nächste Vertrag.
- Nicht die Aussage „Ohne dich geht es nicht“.
Sondern dieser Satz:
„Wir haben das jetzt im Griff. Du musst dich nicht mehr darum kümmern.“
Wenn ein Interim-Manager dauerhaft gebraucht wird, ist etwas schiefgelaufen.

Unbequeme These #2
Wer als Interim unverzichtbar bleibt, hat seinen Auftrag verfehlt!
Interim-Management ist kein Ersatz für Führung.
Es ist auch kein bequemes „Wir leihen uns mal Erfahrung“.
Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.
Mein Job ist es nicht, der klügste Mensch im Raum zu sein. Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass andere es werden – oder es endlich sein dürfen.
Wenn ich gehe und alles bricht zusammen, dann war ich nicht die Lösung – sondern Teil des Problems.
Unbequeme These #3
„Du musst dich nicht darum kümmern“ ist das Ziel – nicht das Risiko!
Ob als CEO, Manager oder Interim:
Wenn mir jemand sagt:
„Ulvi, verlass dich auf uns.
Wir kriegen das hin.“
dann bedeutet das:
- Verantwortung wurde übernommen, nicht delegiert
- Kompetenz wurde aufgebaut, nicht nur genutzt
- Vertrauen ist real – nicht nur ein Schlagwort
Das ist kein Kontrollverlust.
Das ist funktionierende Organisation.
Warum viele Führungskräfte damit kämpfen.
Nicht gebraucht zu werden, triggert bei vielen:
- Angst vor Austauschbarkeit
- Angst vor Relevanzverlust
- Angst vor dem eigenen nächsten Schritt
Deshalb bleiben manche länger, als gut ist.
Deshalb werden Mandate künstlich komplex gehalten.
Deshalb entsteht Abhängigkeit – auf beiden Seiten.
Aber echte Professionalität heißt:
Zu gehen, wenn man nicht mehr gebraucht wird.
Die gleiche Haltung gilt auch im Privaten.
Ich habe drei Kinder.
Und auch hier war immer und ist einer der schönsten Sätze:
„Papa, verlass dich auf uns. Du musst dich nicht darum kümmern. Wir schaffen das!“
Nicht gebraucht zu werden heißt nicht, keine Rolle mehr zu spielen.
Es heißt, eine gute Rolle gespielt zu haben.
Erziehung wie Führung haben dasselbe Ziel:
Menschen so stark zu machen, dass sie einen nicht mehr brauchen.
Unbequeme These #4
Wer immer gebraucht werden will, verhindert nachhaltige Stärke**
Organisationen reden viel über:
- Empowerment
- Ownership
- Verantwortung
Aber sie belohnen oft das Gegenteil.
Denn echte Verantwortung bedeutet auch:
- Entscheidungen zuzulassen, die man selbst anders getroffen hätte
- Fehler zu akzeptieren, die zum Lernen dazugehören
- Führung nicht mit Dauerpräsenz zu verwechseln
:devider:
Was bleibt dann für den Interim-Manager?
Eine klare Rolle:
- Temporär Verantwortung übernehmen
- Klarheit schaffen, wo Nebel ist
- Systeme bauen, die ohne einen funktionieren
- Menschen befähigen, nicht beeindrucken
Und dann: gehen können.
- Ohne Drama.
- Ohne Abhängigkeit.
- Ohne schlechtes Gewissen.
:devider:
Mein persönlicher Maßstab.
Ich messe meinen Erfolg nicht daran,
- wie oft ich angerufen werde
- wie lange ich bleibe
- wie unersetzlich ich bin
Sondern daran,
wie gut es läuft, wenn ich nicht mehr da bin.
Wenn am Ende eines Mandats jemand sagt:
„Ulvi! Danke! Das ist erledigt.Verlass dich auf uns.“
dann weiß ich:
Das war gute Arbeit.
Als Führungskraft.
Als Interim-Manager.
Und als Mensch.
Nicht mehr gebraucht zu werden, ist das gröste Kompliment für und an eine Führungskraft!




