Führung bedeutet Wirkung

Im Gespräch: Susanne und Sascha
Ameritum Members & Experts
Susanne: Wie bist du über Ameritum auf das Format GameChanger aufmerksam geworden?
Sascha ist Ameritum-Member & Expert, ich bin Ameritum-Member.
Wir sind uns in einem Ameritum Workshop zur Präsenz begegnet – einem Thema, das erstaunlich viele Führungskräfte unterschätzen. Im anschließenden Gespräch wurde schnell klar: Wir beide glauben daran, dass Wirkung Führung ist. Daraus entstand die Verabredung für sein GameChanger-Format.

Was hat dich dazu bewogen, Teil dieses Gesprächs zu werden?
Wie sagen die Amerikaner: There is no business without show business. Als HR Executive weiß ich: Kompetenz muss sichtbar, spürbar und glaubwürdig sein. Präsenz ist ein Führungsinstrument. Und so gut man sich selbst auch einschätzt – die eigenen blinden Flecken erkennt man selten allein. Sascha hat die Fähigkeit, genau dort hinzusehen und es auch auszusprechen. Das ist unbequem und genau deshalb wertvoll.

Inwiefern unterscheiden sich die Gespräche, die im Ameritum-Kontext entstehen, von klassischen HR- oder Management-Diskussionen?
Hier sprechen Unternehmer, die Verantwortung tragen. In einem geschützten Rahmen wird Klartext gesprochen. Das kann unbequem werden, ist gleichzeitig jedoch außerordentlich produktiv. Man verlässt solche Gespräche selten bestätigt, aber immer klüger – mit starken Impulsen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Wie wichtig ist ein Netzwerk wie Ameritum, wenn es darum geht, auch unbequeme Führungsthemen offen zu diskutieren?
Extrem wichtig. Führung kann einsam machen, insbesondere dann, wenn Entscheidungen nicht populär sind. Ein belastbares Netzwerk schafft einen Raum, in dem Widerspruch von Gleichgesinnten zur Selbstreflexion anregt. Ohne diesen Austausch besteht die Gefahr der Selbstreferenzialität – und die ist für Führung gefährlich.
Was nimmst du aus deiner Erfahrung mit GameChanger und dem Austausch bei Ameritum mit – was ist für dich besonders wertvoll?
Der Austausch auf Augenhöhe. Niemand verstellt sich hier. Alle haben echtes Interesse am Gegenüber. Ich verlasse jedes Format mit mindestens einer unbequemen Erkenntnis – und genau daran wachse ich. Starke Führung ist ein permanenter Entwicklungsprozess.
Inhalt / Positionen (GameChanger)
Du betonst, dass fehlende Klarheit oft belastender ist als frühe Konsequenzen. Warum wird diese Klarheit in Organisationen so häufig vermieden?
Weil Klarheit Konsequenzen erzwingt. Viele Führungskräfte verwechseln Harmonie mit Verantwortung. Sie versuchen, alle emotional abzuholen, und verlieren dabei den wirtschaftlichen Auftrag aus dem Blick. Dabei ist es für alle Beteiligten würdevoller, klar und direkt zu sein, als Unsicherheit in höfliche Formulierungen zu verpacken. Unklarheit ist eine Führungsschwäche.
In Restrukturierungen und Veränderungsprozessen: Was ist der häufigste Fehler, den du bei Führungskräften beobachtest?
Der häufigste Fehler liegt im Schweigen und in der selektiven Kommunikation. Gerade wenn Widerstände entstehen, etwa durch Betriebsräte oder andere Stakeholder, ziehen sich viele zurück. Das ist fatal. Kommunikation ist ein Führungsauftrag. Wer Kommunikationskanäle abreißen lässt, produziert Gerüchte – und Gerüchte sind der Nährboden für Misstrauen, Missverständnisse und verhärtete Fronten.
Was unterscheidet für dich Führung, die in ruhigen Zeiten funktioniert, von Führung, die unter Druck wirklich trägt?
In ruhigen Zeiten kann man strategischer agieren, gestalten, entwickeln und optimieren. Unter Druck zeigt sich Führung in ihrer Essenz: Klarheit, Entscheidungsfähigkeit und Konsequenz. Dann geht es nicht mehr um Optionen, sondern um Richtung. Und ja: Das bedeutet auch, sich von Strukturen, Prozessen oder im Zweifelsfall von Menschen zu trennen. Führung unter Druck ist immer auch ein Lackmustest für Haltung.
Persönliche Erfahrung
Gab es einen Moment in deiner Laufbahn, der deine Sicht auf Führung grundlegend verändert hat?
Nicht den einen Moment, sondern eine Reihe von Fehlern. Als junge Führungskraft habe ich vieles ausprobiert – manches zu zögerlich, manches zu forsch. Learning by burning. Rückblickend war genau das entscheidend. Führung lernt man vor allem in der Auseinandersetzung mit der Realität und mit sich selbst.
Wann war es für dich persönlich am schwierigsten, eine klare, vielleicht auch unbequeme Entscheidung zu treffen?
Immer dann, wenn es um das Schicksal von Menschen geht. Trennungsentscheidungen gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben von Führung. Sie sind nie routiniert, nie angenehm – und sie sollten es auch nicht sein. Wer dabei keine Ambivalenz spürt, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden.
Was hast du über Menschen gelernt, wenn sie in Unsicherheit oder unter Druck arbeiten?
Dass es keine Schablonen gibt. Manche erstarren, andere wachsen über sich hinaus. Die Aufgabe von Führung ist es, diese Unterschiede zu erkennen und entsprechend zu handeln: den einen zu stabilisieren, den anderen zu fordern. Entscheidend ist dabei auch eine klare Erwartungshaltung gegenüber den Mitarbeitenden, denn sie gibt Orientierung. Ohne sie entsteht keine Leistung.
Was sollten Führungskräfte aus eurem Gespräch konkret mitnehmen?
Führung ist kein Selbstzweck. Sie dient der wirtschaftlichen Stabilität und Entwicklung des Unternehmens. Alles andere – persönliche Befindlichkeiten, politische Rücksichtnahmen – hat sich diesem Ziel unterzuordnen. Klarheit ist dabei die absolute Voraussetzung.
Über Susanne
Susanne Krüger-Lampe ist eine erfahrene HR Interim Managerin und Expertin für die Transformation und Neuausrichtung von Personalabteilungen hin zu strategischen Business Partnern. Sie begleitet Unternehmen und Führungskräfte in Restrukturierungs- und Veränderungsprozessen, leitet HR-Abteilungen sowie kritische Projekte und unterstützt als Beraterin und Sparringspartnerin. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, auch in schwierigen Situationen klare, wirksame Lösungen umzusetzen und Organisationen nachhaltig leistungsfähig zu machen.
Über Sascha
Sascha Oliver Martin ist Ameritum Member, TV-Moderator und Kommunikationsexperte, der mit dem Format GameChanger eine Plattform für klare, wirksame Führungsgespräche geschaffen hat. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Überzeugung, dass Wirkung und Sprache entscheidend für erfolgreiche Führung sind – insbesondere in herausfordernden Situationen.
Mit seiner langjährigen Medien- und Bühnenerfahrung schafft er Räume für ehrlichen Austausch auf Augenhöhe und bringt Führungspersönlichkeiten dazu, Klarheit zu gewinnen und Position zu beziehen.



